Mona und Thorkild halten immer die Augen offen. Sie sehen Dinge, bevor es anderen auffällt, und sie handeln entsprechend ohne zu zögern. Jedes Detail auf dem Campingplatz wurde durchdacht. Toiletten, Waschgelegenheiten und Hütten – alles sollte nicht nur funktionieren, sondern sich auch richtig anfühlen. Die Gäste sollten spüren können, dass sich hier jemand die Mühe macht. Hier war nichts „eben gut genug“. Sie wollten Erlebnisse schaffen, an die man sich erinnert – und das spürte man in jeder Ecke des Platzes. „Beim nächsten Mal muss alles ein Stückchen besser sein als beim letzten Mal. Das war immer unser Ansatz. Und lieber ein bisschen zu viel bauen als zu wenig“, sagt Mona. Andere Platzbetreiber konnten diesen Ansatz anfangs nicht nachvollziehen. Als sie die ersten kleinen Toilettenhäuser errichtet hatten, ernteten sie Kopfschütteln: ‚Wozu soll das denn gut sein?‘ hieß es. Aber die Kritik verstummte schnell. Denn die Gäste spürten den Unterschied und wussten den Extrakomfort sehr zu schätzen. Niemand hat Lust, in seinem Urlaub an der Toilette Schlange zu stehen. Und bald mussten neue Toilettenhäuser gebaut werden – und noch welche.
„Wir haben immer viel Wert auf unsere Sanitäranlagen gelegt. Sie müssen in Ordnung sein, und es muss genug von ihnen geben“, ergänzt Thorkild. Der Campingplatz gehörte zu den ersten in Dänemark, auf denen man ein privates Bad mieten kann. Außerdem wurde ein Kinderbad eingerichtet mit Duschen, Waschbecken und Spiegeln in Kinderhöhe, und sogar Mini-WCs und Babybadewanne. Auch an eine Hundebadewanne im Freien wurde gedacht. Denn der Campingplatz sollte auch für die Vierbeiner geeignet sein und damit ein Ort, wo sich die ganze Familie willkommen fühlt.
Mona und Thorkilds Blick reichte jedoch über Fliesen und Wasserhähne hinaus. Schon früh hatten sie erkannt, dass die deutschen Touristen für ihren Betrieb eine Schlüsselrolle spielten. Also machten sie sich Mitte September nach Saisonende auf den Weg nach Deutschland, um Messen und Veranstaltungen zu besuchen. Das war zwar mühsam, aber lohnte sich. „Wir haben das große Potenzial der deutschen Touristen erkannt. Die Ferien in Deutschland sind gestaffelt und damit insgesamt länger, wodurch wir auch unsere Saison verlängern konnten“, erklärt Thorkild.
Deshalb haben wir auch keinen Augenblick gezögert, in Hütten zu investieren – denn hier war eine Nachfrage entstanden. „Die ersten zwei Hütten waren sehr klein und hatten weder Wasser noch Strom. Sie sollten mit einem großen LKW geliefert werden und die Handwerker hatten uns einen festen Liefertag versprochen. Aus diesem Grund hatten wir sie schon an zwei Damen aus Deutschland vermietet“, berichtet Mona und muss rückblickend lächeln. „Aber wie es manchmal so ist, verzögerte sich die Lieferung. Plötzlich standen die beiden Damen in der Rezeption und wollten einchecken. Gerade als ich innerlich aufseufzen wollte, sah ich den LKW mit den Hütten auf den Platz rollen.“
Die Hütten gibt es mittlerweile nicht mehr, aber dieses Erlebnis werden Mona und Thorkild niemals vergessen. Thorkild lacht: „Die beiden Damen haben die Hütten viele Jahre gemietet.“
Die beiden kleine Holzhütten waren der Einstieg zu etwas Größerem. Die Gäste wollten mehr Komfort und mehr erleben – und Mona und Thorkild sahen das Potenzial, besonders vom Ausland. 1989 unternahmen sie also noch einen mutigen Sprung. Sie eröffneten Dänemarks erstes tropisches Erlebnisbad auf einem Campingplatz. Ein Schritt, der Hvidbjerg Strand Camping einen echten Namen verschaffte. „Es war nötig, etwas zu tun, was anders war. Auf unseren Reisen nach Spanien und Italien haben wir Swimmingpools gesehen und wir dachten, dass wir so etwas auch bräuchten. Aber überdacht – alles andere wäre zu kalt“, berichtet Thorkild. Die Eröffnung des Erlebnisbades wurde ein entscheidender Wendepunkt. Ein Zugpflaster, das das Interesse an dem Campingplatz im Westen Dänemarks beflügelte. „Wir haben kein Geld für uns ausgegeben,“ sagt Mona. „Im Winter sind wir mit den Kindern in den Skiurlaub gefahren, aber ansonsten haben wir das verdiente Geld immer in den Campingplatz investiert.“ Das war eine Lebenseinstellung. Für Mona und Thorkild ging es nie darum, ihren privaten Konsum zu erhöhen. Vielmehr wollten sie den Campingplatz wachsen lassen, mit der Zeit gehen und den Gästen einen bestmöglichen Urlaub bieten. Sie glaubten fest daran, dass die Gäste wiederkommen, wenn sie spüren, dass sich ständig etwas bewegt. Und so war es auch. „Wir haben Gäste, die als Kinder ihre Ferien hier verbracht haben und jetzt mit ihren eigenen Familien kommen. Es ist uns gelungen, ein Gesamtpaket zu schaffen, das man anderswo nicht bekommt“, sagt Mona stolz. Und Thorkild ergänzt: „Als familienbetriebener Campingplatz war uns die Nähe zu unseren Gästen immer wichtig – das kann man, glaube ich, spüren, wenn man uns besucht“, sagt Thorkild.
Viele Jahre hat Thorkild persönlich die Gäste empfangen und mit dem Fahrrad zu ihrem Platz begleitet. Das hat sich mit den Jahren stark geändert. Lene hat eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin absolviert und Steen hat Wirtschaft studiert. Zur Jahrtausendwende kehrte das Geschwisterpaar zum Alltag auf dem Campingplatz zurück. Zusammen führen sie nun das Familienunternehmen weiter – nach wie vor mit der Nähe zu den Gästen als oberste Prämisse. Man trifft Lene und Steen deshalb oft draußen auf dem Platz, in ihren gelben Westen. Zu Fuß oder mit dem Rad. In den Sommermonaten stehen sie in der Regel auch am Eingang und begrüßen die Gäste – genau wie ihre Eltern es taten.
Die Fürsorge und die Liebe für den Platz sind überall spürbar. Heute – 50 Jahre nach dem Start – ist Hvidbjerg Strand Camping zu Hvidbjerg Strand geworden. Ein ganzjähriges Resort, eines der anerkanntesten und meistprämierten des Landes. Mit Badeland, Wellness, Luxushütten, Strandhotel, Restaurants, Indoor-Spielplatz, Fitness – und einem Strand, der Gäste aus ganz Europa anzieht. Und dennoch ist es im Kern derselbe Ort geblieben. Ein Ort, geboren aus Mut, Hingabe und harter Arbeit. „Unser Wunsch war immer, etwas zu schaffen, das wir selbst mögen – und hinter dem wir stehen können“, sagt Mona. Thorkild nickt. „Ein Ort, an dem man Nähe spürt.“ „Im Alltag hat jeder so viel um die Ohren – und im Campingurlaub kommt man als Familie wieder zusammen“, sagt er. „Ich denke da an die deutsche Großstadtfamilie, deren Jüngster zum ersten Mal einen Fisch aus dem Angelsee zieht. So ein Erlebnis ist etwas ganz Besonderes.“
Und genau darum geht es bei Hvidbjerg Strand: um die besten Rahmenbedingungen für eine gute Ferienzeit. Denn für einen Urlaub gibt es keine zweite Chance – und das verpflichtet. Von der kahlen Wiese am Meer bis zum heutigen Sechs-Sterne-Resort war eines immer gleich: Gäste sollen etwas erleben, das bleibt.